Feldenkrais und Musik

 

 

Im Laufe meiner Studien- und Berufszeit als Flötistin habe ich immer mehr erfahren, wie sehr der eigene Körper mitklingt, ja wie sehr er sogar für den Klang, den man auf seinem Instrument hat, mitverantwortlich ist. 

Auf gleichen Instrumenten verschiedener Hersteller klingt man doch nach einiger Zeit immer wieder irgendwie gleich.

Bessere Instrumente verschaffen Erleichterung, weil sie z.B. leichter ansprechen und besser stimmen, klanglich ist aber auf jeden Fall der Körper maßgeblich beteiligt.

 

Bei Sängern ist ganz klar der Körper das Instrument, die Flöte ist durch Ihre Art der Tonbildung von allen Blasinstrumenten dem Gesang sicherlich am Nächsten, aber auch bei Streichinstrumenten und beim Klavier ist der eigene Körper stark am Klang beteiligt.

Und klingen tut es immer dann am Besten,

wenn man es `klingen lässt´.

 

Einer unserer Chefdirigenten tat mal den weisen Ausspruch: `Mühe klingt nicht´.

 

Aber wirklich ohne Mühe ein Instrument zu beherrschen ist schon eine sehr hohe Kunst und ich denke erfahrungsgemäß sagen zu können:

Den Wenigsten gelingt das!

 

Verspannungen, Rücken- und Kopfschmerzen, Sehnenscheidenentzündungen, Tinnitus durch die oft massive stundenlange Lärmbelastung, Probleme mit dem Nervensystem (z.B. fokale Dystonie), Funktionsstörungen von Gelenken

und einiges mehr, sind bei Musikern an der Tagesordnung.

Welcher Körper ist schon dazu gemacht, 8 Stunden am Tag konzentriert Geige zu spielen?

 

Jahrzehntelang kämpfen viele mit den Problemen, die durch Überbelastung, einseitige Haltungen und auch den dazu kommenden psychischen Stress zustande kommen.

Nicht nur die Angst vor Kollegen Fehler zu machen,

auch extreme Auftrittsängste und Lampenfieber machen vielen Musikern zu schaffen.

Und was dann streikt ist gerade der Körper, den man zum Musizieren aber so übergenau funktionierend braucht.

Bewegungen müssen sehr genau koordiniert sein,

jeder Finger muss in genau der richtigen Position zur Verfügung stehen und präzise geführt sein,

die Atmung braucht Führung und darf sich nicht zitternd selbstständig machen,

der Klang braucht Stütze.

Dafür z.B. sind der Halteapparat Beckenboden und die Rumpfmuskulatur verantwortlich.

Der Körper muß über die Füße geerdet sein und je nach musikalischer Absicht und Stimmung unterschiedlich viel Spannung haben.

Das alles erfordert ein riesiges Maß an Selbstkontrolle, Koordination, differenzierter und genauester Steuerung der Bewegungen.

Jede kleinste überflüssige (feldenkraisisch: parasitäre) Bewegung wirkt sich unmittelbar auf den Klang, die musikalische Aussage und die Genauigkeit der Technik aus.

(Finger-, Atem-, Ansatz-,Bogentechnik)

Seit einigen Jahren entwickelt sich - endlich - der Fachbereich Musikermedizin,

Sportmedizin gibt es schon lange.

Auch ich bin von einigen dieser Probleme nicht verschont geblieben und habe bereits während meiner Studienzeit Feldenkrais kennengelernt,

jahrelang Kurse besucht und gelegentlich Einzelstunden bekommen.

Auch mit anderen Körpertechniken wie Alexandertechnik,

der Franklinmethode, Yoga

und Atmungs- und Bewegungslehre

habe ich mich im Laufe der Jahre befasst,

bin aber beim Feldenkrais `hängengeblieben´,

da diese Methode durch ihre ausgeprägte Wahrnehmungsschulung nicht `Patentrezepte´liefern will, die nach Möglichkeit für jeden passen,

sondern ganz individuell zum Erspüren des eigenen Körpers, der eigenen Bewegungsmuster und  -abläufe auffordert.

Ohne dass ich genauestens weiß, was ich tue, kann ich nichts Entscheidendes, vielleicht auch noch so Kleines, verändern, um mir in meinem Gesamtbewegungsablauf für verschiedenste Handlungen, Erleichterung und Leichtigkeit zu verschaffen.

Dieses Erspüren erfordert Zeit, Ruhe und Pausen,

um das Suchen und Entdecken anderer, neuer Bewegungsmöglichkeiten, immer wieder neu beginnen zu können,

Die neu entdeckten Möglichkeiten sind für mich vielleicht heute angebrachter, als die alten, gewohnheitsmässig immer wieder gleich ausgeführten, manchmal sogar schmerzhaft gewordenen Bewegungenabläufe.

 

Durch dieses `organische Lernen´ nimmt das Nervensystem, das für die Organisation von Bewegung zuständig ist, diese neuen Möglichkeiten auf und kann sie zukünftig zur Verfügung stellen.

 

Zeit, Geduld und Differenzierung sind in der heutigen Zeit aber leider nicht mehr `angesagt´, viel eher geht es um schnelle Lösungen, die möglichst mit sofortiger Wirkung von außen kommen sollen.

 

Verändern kann sich so aber nichts!

 

Moshé Feldenkrais hat über 2000 in sich abgeschlossene Lektionen in `Bewusstheit durch Bewegung´ (ATM - awareness through movement) geschrieben, in denen man die eigenen Muster kennenlernen kann und - oft durch Einbau sogenannter `constraints´ (Beschränkungen/Begrenzungen) -

dazu angehalten wird, neue Bewegungsmöglichkeiten zu finden, da ein Zurückfallen in die alten Muster wesentlich erschwert wird.

Das macht - nebenbei bemerkt - sehr viel Spaß!

 

Musikern kann diese Wahrnehmungsschulung bei Ihrem Umgang mit Ihrem Instrument sehr viel helfen. Ein erfahrener Feldenkraislehrer kann in Einzelstunden (FI - funktionale Integration) mit und ohne Instrument Hilfestellung geben, welche Punkte besondere Aufmerksamkeit benötigen und in welche Richtung gearbeitet werden könnte.

In Einzelstunden ist auch ein Arbeiten mit spezifischen, die speziellen Probleme behandelnden ATMs möglich, auch ein direktes Übertragen auf die Bewegungsabläufe beim Musizieren mit dem Instrument im Anschluss, kann große `Aha - Erlebnisse´ auslösen und positive Veränderungen bewirken.

 


Stefanie Schrödl
Stefanie Schrödl

 

 

 

 

`...das Unmögliche möglich,

das Mögliche leicht, und das Leichte elegant machen.´

M. Feldenkrais